Von:
Ulrike Murmann

e-hoelle.de

Was ist die Hölle?

Die Hölle ist ein Bild für einen Ort absoluter Gottesferne. Wo Gott nicht ist, da ist es dunkel und einsam, da sind Menschen verzweifelt und fühlen sich verloren. In existentiellen Krisen sagen wir manchmal: Es ist die Hölle! Damit beschreiben wir einen seelischen Abgrund. Die Hölle ist dann ein Symbol für das Erleiden großer Schmerzen oder schrecklicher Angstzustände.

Im Mittelalter verstand man die Hölle als einen Ort ewiger Verdammnis. Kirche und Kunst haben ihn mit viel Phantasie ausgeschmückt. Gemalt wurden drastische Bilder von gequälten Seelen im Fegefeuer der Unterwelt. Das Feuer der Hölle verbrannte die Höllenbewohner aber nicht, sondern es bereitete ihnen ewigen Durst und ewige Schmerzen. Das war die absolute Angstmacherei. Es sollte die Menschen abschrecken und wie eine Drohung wirken: Wenn du auf Erden nicht tust, was die Kirche von dir verlangt, dann wirst du in der Hölle dafür büßen. Gott sei dank haben wir diese Zeiten lange hinter uns. Heute sind wir davon überzeugt, dass die Ewigkeit Gott gehört, und damit ist es dort für eine Art Hölle kein Platz.

Die Vorstellung von einer höllischen Unterwelt, in die wir nach unserem Tod geschickt werden, wenn wir auf Erden versagt haben, die halte ich daher für ein Produkt einer angstbesetzten Phantasie. Anders steht es um die sog. "Hölle auf Erden". Davon sprechen wir z.B. wenn wir Bilder von Katastrophen sehen, wenn Menschen in den Trümmern ihrer Häuser verzweifelt nach Angehörigen suchen, Kinder hungrig und ängstlich durch verwüstete Straßen irren oder Menschen einander Gewalt antun. Das ist so schrecklich, dass wir von einer Hölle reden. Hölle meint dann etwas ganz Fürchterliches und Schmerzliches.

Umgangssprachlich sagen wir manchmal: Ich setze Himmel und Hölle in Bewegung, um etwas zu erreichen. Damit meinen wir, wir lassen nichts unversucht. In dieser Formulierung ist die Hölle der Gegenpol zum Himmel. Da wir nur in Gegensätzen denken können, brauchen wir wohl die Vorstellung von der Hölle.